Experten-Interview: Welche Saite schlagen Sie an?

Intomedia Magazin · 14.1.2022

Gerade Expertinnen und Experten schlagen sich häufig mit diesem Problem herum: Die Frage, die sie im Studio gestellt bekommen, betrifft nicht genau ihr Fachgebiet. Unter dem Gebot der wissenschaftlichen Genauigkeit und Richtigkeit können sie sie nicht beantworten. Aber in der Situation des Interviews steht ihre Autorität als sachkundige Person zur Disposition.

Was also tun? Schweigen? Stammeln? Schwadronieren? Diese Alternativen sind natürlich nicht ernst gemeint. Trotzdem bleibt die Frage: Was tun?

Peter Klimek hat darauf in einem Interview mit dem Standard eine sehr schöne Antwort gegeben: „Man muss als Wissenschaftler nicht zu jedem Thema seinen Mund aufmachen. Das hat auch den positiven Effekt, dass man von Journalistinnen und Journalisten thematisch etwas gezielter und nicht zu allen Themen gefragt wird, weil die dann auch wissen, dass man nicht auf alles eine Antwort bekommt.“

Vor der Kamera braucht es mitunter etwas Mut, um zu sagen, dass man zu dieser oder jener Frage nichts sagen kann, oder dass man dazu nicht qualifiziert ist.

Peter Klimek

Es gibt das gute, alte Sprichwort: Schuster, bleib bei deinem Leisten (Der Leisten ist übrigens ein Formstück, mit dem der Schuster einen Schuh herstellt.). Das bedeutet: Tue nur das, was du wirklich tun kannst, und sage nur das, was du wirklich sagen kannst. Weil es eben zu deinem Fachgebiet gehört.

Wenn Sie im Studio eine Frage gestellt bekommen, die sich außerhalb Ihres „Leistens“ befindet, können Sie das sehr wohl zu erkennen geben: „Ich bin Expertin/Experte für XY, deshalb kann ich zu Z natürlich nichts sagen. Was ich aus meiner Kenntnis aber sehr wohl beitragen kann, ist: …“ Und dann geben Sie aus Ihrer Expertise heraus eine Anmerkung zum Thema. Wenn der Fall eintreten sollte, dass Sie gar keinen sinnvollen Beitrag leisten können, belassen Sie es einfach bei dem Hinweis auf Ihre Expertise.

Wenn Sie im Interview klarstellen, welche Saite sie anschlagen können, ist beides gewahrt: Ihre Autorität als Expertin oder Experte, aber auch die wissenschaftliche Genauigkeit.

Autor:

Stefan Schimmel

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