Larry King, 1933-2021
Intomedia Magazin · 29.1.2021
Einfache Fragen stellen. Gut zuhören. Konsequent die Details weiter verfolgen. Nur dann unterbrechen, wenn die interviewte Person schwätzt oder langweilt. Sonst den Rand halten.
Das war das Credo von Larry King , der eigentlich Lawrence Harvey Zeiger hieß und in seinen Anfangsjahren, weil sein Name fürs Radio gar so kompliziert klang, in Anlehnung an „King’s Likör“ spontan den Namen verpasst bekam, mit dem er dann berühmt wurde.
Seine Sendung „Larry King Live“ startete bei CNN 1985 und blieb 25 Jahre lang jeden Wochentag ununterbrochen im Programm. Über 40.000 Interviews führte er in dieser Zeit. Für „die Show, die am längsten mit immer dem gleichen Gastgeber, immer zur gleichen Zeit und immer im selben Kanal ausgestrahlt wurde“, erhielt er 2010 übrigens einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde . Ganz zu schweigen von einem Stern auf Hollywoods Walk of Fame .
Was ihn berühmt machte, war die Art und Weise, wie er seine Fragen stellte. „Street Questions“ wurden sie genannt: einfache, solide Fragen, die auch ein „Typ auf der Straße“ stellen würde. Was ist passiert? Warum haben Sie das getan? Larry King gab sich nie als allwissender Experte, sondern immer als neugieriger Laie, mit dem sich das Publikum vor den TV-Geräten gerne identifizierte.
Und dabei wurde er nie aggressiv, er fragte immer höflich – egal, ob eine Politikerin oder ein Prominenter zu Gast war, und egal, ob es um ein anerkanntes oder ein umstrittenes Thema ging. „Wer bei ihm saß, fühlte sich weniger auf einem heißen Stuhl, als in einer warmen Badewanne.“ So schrieb die NEW YORK TIMES am Ende seiner Karriere.
Die Folge davon war, dass die befragten Personen in seinem Studio sich öffneten, und zwar mehr, als sie es von vorneherein beabsichtigt hatten, und mehr, als es ihrer Botschaft, ihrer Wirkung oder ihrem Image gutgetan hätte. Auf diese Weise kamen Unzulänglichkeiten ans Licht – nicht, weil die Fragen streng und unerbittlich waren, sondern im Gegenteil, weil die interviewten Personen Larry King in die samtweiche Falle stolperten.
In diesem Sinne: Rest in Peace, Larry King. Und für Sie gilt: Vorsicht Falle, wenn eine Moderatorin oder ein Journalist im Studio besonders angenehm mit Ihnen umgeht.
Autor:
Stefan Schimmel
Passende Trainings
Medientraining Executive
Im Kreuzfeuer der Kritik
Dieses Training rüstet Sie für jede noch so schwere mediale Kontroverse oder Konfrontation. Sie lernen, trotz Angriffen und Vorwürfen, sicher und souverän zu bleiben und kritischen Situationen gelassen zu begegnen
Medientraining Professional
100% Sicherheit im Interview
Nach diesem Training werden Sie selbst komplexe Inhalte in 20 Sekunden auf den Punkt bringen und niemals Ihren roten Faden verlieren. Und in der Spur bleiben, auch wenn es mal schwierig wird.
Print- & Online-Training
Zitate sind kein Zufall
Erfahren Sie, wie Sie sich in Print- und Online-Interviews optimal verhalten, damit Sie das Ergebnis in Ihrem Sinne beeinflussen. Erleben Sie, wie Artikel zustande kommen und wie Sie sich perfekt in Szene setzen. Und überlassen Sie Zitate nicht mehr dem Zufall.
Das könnte Sie auch interessieren
Medientraining
Personal Presence
Bis zur Hüfte im Untergang
Um auf die einzigartige Notlage aufmerksam zu machen, der seine Heimat Tuvalu durch den Klimawandel ausgesetzt ist, ließ sich Außenminister Simon Kofe etwas Besonderes einfallen: Er hielt eine Videoansprache an die Teilnehmenden des UN-Klimagipfels in Glasgow – mit beiden Beinen hüfttief im Meer. Das Video ging heute viral: ein hübsches Beispiel für die Wirkung von „Action am Set“.
Medientraining
Print und Online
Medien – immerwährend neutral?
Sie sind voreingenommen und bisweilen aggressiv. Dieses Angstbild von Journalistinnen und Journalisten bringen viele Trainees in unsere Studios mit. Aber was verlangt der Beruf eigentlich von Medienschaffenden? Das kennenzulernen ist ein wichtiger Schritt zur Professionalisierung. Die Schweizer MEDIENWOCHE hat am Dienstag einen wichtigen Hinweis gegeben.
Medientraining
TV-Interview: Konzentration bis zum Schluss
Andrä Rupprechter wird in den letzten Wochen von Medien oft gefragt, ob er gerne in der neuen Regierung vertreten wäre. Seine Antworten: ausweichend. "Ich habe meinen Job gerne gemacht." Daraus kann man folgern: Eigentlich würde er gerne „ja“ sagen. Für Sie eine wunderbare Lektion in Sachen Treue zur eigenen Botschaft.