Manchmal bin ich ganz anders

Intomedia Magazin · 26.11.2021

Man fragt sich als Wissenschaftler, welchen Umgang man mit der Wissenschaft in Österreich pflegt.“, donnerte Klimek plötzlich in der ZIB 2 im Interview mit der höchst erstaunten Lou Lorenz-Dittelbacher. „Wenn solch ein feindliches Klima weiter gepflegt wird, wird unser Land immer mehr zur Bananenrepublik!“

Und das Land staunte und horchte auf. Ein zorniger Experte mit Herz!

Was dahinter liegt, war ein Konflikt, bzw. ein Wortgefecht mit dem Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer, aber das braucht uns hier nicht weiter zu kümmern. Was ich aber wirklich interessant finde, ist das Phänomen, das an diesem Beispiel sichtbar wird: dass nämlich Personen in den Medien ganz besonders interessant werden, wenn ihr Verhalten von dem abweicht, was man von diesen Personen ansonsten gewohnt ist.

Die GALA veröffentlichte Ende vergangenen Jahres einen Artikel, der besonders emotionale Momente in der 15jährigen Kanzlerschaft der Angela Merkel aufzählt . Viele waren das nicht. Kein Wunder, denn Angela Merkel ist der Öffentlichkeit als stets gefasst auftretende Persönlichkeit bekannt. Umso bemerkenswerter wirkten aber dann jene Momente, in denen sie es eben nicht war, also zum Beispiel dieser Appell, den die Medien als „Merkels Ausbruch“, als ihre „emotionalste Rede“ bezeichneten:

Wenn Sie viel in der Öffentlichkeit stehen, wird Ihnen das Publikum aufgrund dessen, was es an Ihnen wahrnimmt, bestimmte Eigenschaften zuschreiben. Das ist richtig und wichtig, und es zahlt sich immer wieder aus, darüber nachzudenken, welche Eigenschaften denn das nun sein sollen?

Wie wollen Sie denn vom Publikum wahrgenommen werden?

Aber eines sollten Sie dabei nicht vergessen: Als interessante und „vollständige“ Persönlichkeit werden Sie erst dann wahrgenommen, wenn Sie zwischendurch Seiten von sich zeigen, die weniger offensichtlich sind, die Sie nicht so oft zeigen, die aber gerade deshalb das Publikum überraschen und zum Nachdenken herausfordern.

Autor:

Stefan Schimmel

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