Suchbild: Finde den Fehler
Intomedia Magazin · 26.2.2021
Die Frauenkirche ist neben dem Rathaus und dem Olympiastadion eines der Wahrzeichen von München – über 500 Jahre alt, ein hoch angesehener Bau nicht nur beim Münchner Publikum. Aber ein solches Juwel muss man pflegen, deshalb wird daran ständig irgendwo restauriert, saniert, repariert. Als im September vergangenen Jahres die Baugerüste vom Südturm abgebaut wurden, war das für die Münchnerinnen und Münchner ein denkwürdiges Ereignis, denn das erste Mal seit mehr als einem Jahrzehnt (!) konnten sie sein Mauerwerk wieder ohne Sichtschutz im Echtzustand sehen.
Als nun die Kamera Markus Söder von München ins ZDF-Studio holte , konnte man am TV-Bild dreierlei Dinge sehen: Erstens natürlich Herrn Söder, wie er leibt und lebt, im Zentrum des Bildes. Zweitens den im Münchner Dämmerlicht schon beleuchteten Rathausturm rechts davon. Und drittens links davon das Schiff und die Türme der Frauenkirche – Baugerüst inklusive.
Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten . Was fürs Medientraining hier wesentlich ist: Der „Fehler im Suchbild“ hatte sich vor die Aussagen von Herrn Söder gedrängt. Anders gesagt: Was im Hintergrund zu sehen ist, kann beschädigen, was im Vordergrund zu hören ist.
Jetzt könnten Sie einwenden: Wen juckt das außerhalb von München? Wer bemerkt da den Fehler? Wahrscheinlich nicht so viele. Der ZDF-Redaktion in Berlin ist der Fauxpas jedenfalls nicht aufgefallen. Den Menschen in München aber sehr wohl.
Und um dieses Prinzip geht es mir hier: Verschiedene Menschen betrachten ein und dasselbe Bild mit verschiedenen Augen. Bilder sind nicht unschuldig, Augen auch nicht. Und gewisse Augen nehmen sogar scheinbare Kleinigkeiten wahr, die gewissen anderen Augen vollkommen unwichtig sind. Diese Kleinigkeiten können sich aber vordrängen und den Gesamteindruck eines Interviews beträchtlich stören.
Achten Sie also, wenn Sie ein Interview geben, auf Ihren Inhalt; aber achten Sie genauso auf den Hintergrund, den die Redaktion Ihnen anbietet. Denken Sie daran, wie Ihre Zielgruppe diesen Hintergrund sieht. Er könnte für gewisse Augen Ihrem Inhalt Schaden zufügen.
Autor:
Stefan Schimmel
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