Wir sind E-Auto! Sind wir?
Intomedia Magazin · 6.8.2019
Die Peinlichkeit liegt im Detail, hier also noch einmal die Zahlen im Einzelnen: Wie der „Electromobility Report 2019“ des Center of Automotive Management berichtet, wurden in Deutschland im ersten Halbjahr 2019 48.000 E-Autos zugelassen, in Norwegen 44.000; diese Differenz von 4000 ist der Grund für das CDU-Halleluja. Der Jubel ist verlockend, gilt doch Norwegen allgemein als absolutes Mekka der E-Mobilität.
Allerdings leben in Norwegen 5 Millionen Menschen, die also zusammen genommen fast genauso viele E-Autos gekauft haben wie 82 Millionen Deutsche. In relativen Zahlen gerechnet kaufen Norweger immer noch mehr als 16 Mal so viele E-Autos wie Deutsche. Oder anders: In Deutschland wurden im ersten Halbjahr 2019 insgesamt 1,85 Millionen Autos zugelassen, in Norwegen 78.000. Ergo waren in Norwegen 56% aller zugelassenen Autos elektrisch, in Deutschland etwa 2,6%.
Und das ist die Art und Weise, wie man seriöser Weise solche Zahlen vergleicht .
Achja, dann gibt es da noch einen Vergleich: Im ersten Halbjahr des Vorjahres waren in Deutschland 1,8% aller zugelassenen Fahrzeuge E-Autos. Somit ergibt sich mit den 2,6% für dieses Halbjahr eine Steigerung. Das wäre für den Twitter-Account der CDU vielleicht eine Nachricht gewesen, allerdings auch keine „echte“, denn so berühmt ist diese Steigerung auch wieder nicht.
Hat die CDU nun gelogen?
Nein, hat sie nicht, denn die absoluten Zahlen stimmen natürlich. Sie hat bloß den Vergleich nicht bis zu Ende dargestellt und damit den springenden Punkt der Wahrheit verschwiegen. Der STANDARD bezeichnete das übrigens recht lustig als „Enkeltrick“ . Überhaupt war die CDU in der vergangenen Woche in medialen Sphären eher eine Lachnummer .
Also, nicht vergessen: Ein Vergleich ist ein kräftiges Mittel der medialen Kommunikation, aber er muss auch stimmen. Sonst fühlt sich das Publikum für dumm verkauft, und die Kraft des Vergleichs wendet sich gegen die Urheber.
Autor:
Stefan Schimmel
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