Wissenschaftskommunikation: Wer nichts weiß, muss alles ...?
Intomedia Magazin · 28.5.2021
Drastische Maßnahmen wie Lockdowns oder Impfkampagnen müssen unter allen Umständen legitim sein. Das heißt, sie müssen glaubhaft auf dem besten verfügbaren Wissen beruhen. Wenn sich der Eindruck ergibt, dass „das ja gar nicht stimmt“, besteht die Gefahr der Verweigerung – schreibt der Biologe und Sozialwissenschaftler Franz Seifert in einem Gastbeitrag auf ORF ON .
Umgelegt auf alle Wissenschaften heißt das: Wenn sich beim Publikum der Eindruck ergibt, dass „das ja gar nicht stimmt“, besteht die Gefahr des Desinteresses oder des Unglaubens. Und in der Folge die Gefahr des Verlustes an Autorität, an Vertrauen, an Relevanz.
Dass wissenschaftlicher Pioniergeist immer wieder auch an Skandalen oder Katastrophen Anteil hat (denken Sie an Contergan, Tschernobyl oder Fukushima), ist bei alledem natürlich nicht hilfreich. Für den Erfolg einer wissenschaftlichen Entwicklung ist also nicht nur saubere Arbeit nach den Regeln der Kunst, sondern auch breite Akzeptanz beim Publikum notwendig.
Erfolgreich die Brücke schlagen
Wir reden hier, wohlgemerkt, über externe Kommunikation an eine breite Öffentlichkeit, nicht über deren interne Schwester unter Fachleuten. Hier sollten sich Sprecherinnen und Sprecher bewusst sein, dass Akzeptanz nur möglich ist, wenn sie einen weiten Weg auf ihr Publikum zugehen – eine Brücke über einen Graben schlagen.
Ein Schritt auf diesem Weg ist die Verständlichkeit: Jeder Satz muss von Ihrem Publikum in dem Augenblick verstanden werden können, in dem Sie ihn aussprechen. Das klingt trivial, wird aber oft immer noch vernachlässigt und steht deshalb hier an erster Stelle.
Aber dann geht es an die Feinarbeit.
Um mit unseren Trainees für ihre wissenschaftlichen Inhalte ein tragfähiges Wording zu finden, achten wir im Medientraining immer auf zwei besondere Attribute: Verlässlichkeit und Spannung. Verlässlichkeit: Wie kam die Erkenntnis zustande? An welchen allgemein wahrnehmbaren Phänomenen kann das Publikum erkennen, dass meine Aussagen stimmen? Spannung: Welche Bedeutung hat meine Erkenntnis konkret für das Leben meines Publikums? Inwiefern nützt sie? Inwiefern verhindert sie Schaden?
Wenn diese Qualitäten beim Statement im Interview oder in der Pressekonferenz zusammenspielen, dann ist eine gute Basis für die Glaubhaftigkeit gelegt. Ich zeige Ihnen hier zum Schluss noch ein Beispiel, an dem Sie dieses Zusammenspiel besonders gut sehen können; es spricht der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer , der vor ein paar Jahren im Zusammenhang mit der EHEC-Pandemie (Sie erinnern sich?) bekannt geworden ist:
Autor:
Stefan Schimmel
Passende Trainings
Image-Management
Wie Sie vor Ihrem Publikum wirken, ist kein Zufall. Es unterliegt Ihrer Kontrolle.
Ihr Image in der Öffentlichkeit sollte kein Zufall sein. In diesem Workshop lernen Sie, Echtheit und Authentizität selbst in schwierigen Auftritts-Situationen abzurufen. Dabei soll aber keine Kunstfigur entstehen. Es werden nur Merkmale und Anlagen betont, die aus Ihrer Persönlichkeit kommen und ihr entsprechen.
Medientraining Executive
Im Kreuzfeuer der Kritik
Dieses Training rüstet Sie für jede noch so schwere mediale Kontroverse oder Konfrontation. Sie lernen, trotz Angriffen und Vorwürfen, sicher und souverän zu bleiben und kritischen Situationen gelassen zu begegnen
Wording und Messages
In 20 Sekunden auf den Punkt
In diesem Rhetoriktraining lernen Sie von echten Kommunikationsprofis, wie Sie Ihre Standpunkte effektiv und überzeugend vertreten. Sie erfahren, wie Sie komplexe Inhalte in kürzester Zeit vermitteln, und zwar so, dass sie Ihren Gesprächspartnern in Erinnerung bleiben.
Das könnte Sie auch interessieren
Medientraining
„Wir werden dich irgendwann wiedersehen!“
Das sagte die Witwe eines im vorigen Jahr auf den Philippinen getöteten Kärntners im Gespräch mit der KRONEN ZEITUNG. Das Interview sei erfunden und so nie geführt worden, rügt nun der Presserat. Wer von beiden recht hat, wissen wir nicht. Aber wir wissen, wie Medien mit Ihren Statements umgehen dürfen. Und wie nicht.
Medientraining
Pres•se•frei•heit [die]
Spätestens seit dem ZIB2-Interview von Armin Wolf mit Harald Vilimsky steht fest: Die beiden werden in diesem Leben keine guten Freunde mehr. Hier soll es um das gehen, was im Hintergrund auf dem Spiel steht: die Pressefreiheit. Welches Recht ist den Journalistinnen und Moderatoren von der Verfassung her garantiert?
Medientraining
Personal Presence
Bis zur Hüfte im Untergang
Um auf die einzigartige Notlage aufmerksam zu machen, der seine Heimat Tuvalu durch den Klimawandel ausgesetzt ist, ließ sich Außenminister Simon Kofe etwas Besonderes einfallen: Er hielt eine Videoansprache an die Teilnehmenden des UN-Klimagipfels in Glasgow – mit beiden Beinen hüfttief im Meer. Das Video ging heute viral: ein hübsches Beispiel für die Wirkung von „Action am Set“.